Ars gratia artis

Für mich fing alles 1988/1989 an. Ich war damals noch weit davon entfernt, ein Szenegänger zu sein. Ganz abgesehen davon, dass ich keine Ahnung hatte, was es bedeutet „Gothic“ zu sein. Wie auch? Das musikalische Angebot wurde durch Sendungen wie Formel 1 oder Die Hitparade im ZDF geprägt und die wenigen Musikmagazine, wie Bravo oder bestenfalls die Pop/Rocky machten die Sache auch nicht besser. Seit vier, fünf Jahren schwappte eine neue Welle aus England an die Küste und spaltete Deutschlands Jugend in zwei Lager. Während die einen die Neue Deutsche Welle als den Befreiungsschlag gegen die Elterngeneration feierte und Nenas Achselbehaarung als sexy eingestuft wurde, fiel der andere Teil über Depeche Mode, Bronskie Beat, Franki goes to Hollywood, Tears for Fears, oder Talking Heads her, als gäbe es kein Morgen. Nur wenige hörten Jane Michael Jarre oder Kraftwerk und noch weniger hatten zu dieser Zeit Joy Divison oder Einstürzende Neubauten auf den Plan.

Und ich? Ich war, wie so oft in meinem Leben „mittendrin“. Ich wollte mich nicht auf die eine oder andere Seite festlegen. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, Musik als ein Gesamtkonzept mit vielen Facetten wahrzunehmen. Nicht dass ich jemals daran gedacht hätte Heino und Co. zu hören, aber Elvis, The Beatles oder The Who konnte man schon in meiner Plattensammlung finden. Und eben zu dieser Zeit geriet ich an eine Single, die mein Leben grundlegend veränderte. Mein Jugendfreund Michael schmiss mir eine Maxisingle auf den Tisch und sagte: „Hier, hör dir mal diesen Mist an“. Der Mist, der da auf meinen Tisch lag, entpuppte sich als Headhunter von Front 242. Dieser Moment veränderte so ziemlich alles – Schlag um Schlag. Ohnehin schon längst dem Sound der oben erwähnten Bands verfallen, erkannte ich, dass da noch mehr war, als dieser 08/15 Gesellschaftsbrei.

Ich informierte mich so gut ich konnte. Nun muss man sich allerdings vorstellen, damals war es nicht so einfach wie heute. Die Szene-Magazine wuchsen nicht an den Bäumen, und wenn es welche gab, dann selbstverständlich nicht am Kiosk um die Ecke. Dementsprechend blieb meist nur, wie bereits erwähnt, die Informationsquelle Nr.1 in Sachen Musik: die Bravo und bestenfalls noch die Pop/Rocky. Jedoch hatten beide Magazine zum Thema auch nicht nur das Positivste beizutragen. Aber das war es dann auch schon.

Von den Problemen, die man hatte, um an szenetypische Musik oder Outfits zu gelangen, will ich hier erst gar nicht sprechen. Das Internet für jedermann war bestenfalls noch ein feuchter Männertraum und an Versandhändler und Massen-Modelabels, die die Szene gleichschalten wollen, war noch lange nicht zu denken.

In Dortmund wurde ich allerdings fündig. Das heute legendäre Scarface (Bekleidung) und Last Chance (Musik) waren die angesagten Szeneläden und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Ich persönlich wühlte mich vor allem durch Last Chance. Und um es gleich klarzustellen: Für Mode interessierte ich mich schon damals so viel, wie für den chemischen Prozess bei der Detonation einer Atombombe – nämlich gleich NULL.

Nach Front 242 konsumierte ich so ziemlich alles, was auch nur ansatzweise schwarz klang. Auch vor einem  Genre-Mix machte ich keinen Halt. Front 242, Front Line Assembly, Nitzer Ebb, Curent 93, Death in June, Invisible Limits, The Cure oder Christians Death, Die Form u. v. m. waren Bestandteile meiner Plattensammlung. Damals wie heute hatte ich schon einen breiten Musikgeschmack. Es musste nur irgendwie gefallen.

Ein eher zufälliger Besuch bei Thomas Lüdke (Invincible Spirits) zeige mir damals ganz schnell, dass Szene nicht bedeutet, alles schwarz in schwarz zu sehen. Als ich dort ankam und ich seine Wohnung betrat, hätte mich fast der Schlag getroffen. Ich voll durchgestylt und Klischee von oben bis unten und seine Wohnung: quietschbunt! Ich wäre vor Scharm fast im Boden versunken.

Zwischen 1988 und den frühen 1990er war ich auf verschiedenen Konzerten, besuchte Front 242 im Bielefelder PC 69, Curent 93 und Death in June im Zwischenfall (Bochum). Rückblickend betrachtet, waren das wohl meine ersten Gehversuche in der Konzertfotografie. Von dem was ich heute mache, war ich damals jedoch noch weit entfernt. Ich fotografierte nur gelegentlich und das auch nur mit eher mäßigem Equipment. Oft genug kam die gute alte Pocket-Kamera aus dem Supermarkt zum Einsatz. Ich war jedoch, wie die meisten anderen zu dieser Zeit auch, hauptsächlich darauf aus, am Wochenende Spaß zu haben. Man wollte sich mit Freunden treffen, über dies und das reden, Beziehungsprobleme wälzen und dann beim Tanzen doch alles irgendwie vergessen. Für eine Nacht sollten die Sorgen der Welt, der kalte Krieg der immer drohte heiß zu werden, die Eltern, der Job, die Lehrer, das Kaputte Auto etc. draußen bleiben. Da es jedoch auch schon damals unmöglich war die Welt auszusperren, blieben wir dieser auch nicht unbemerkt.

Etwa zur selben Zeit, als sich ein großes Szene-Treffen in Leipzig auf den Weg machte erwachsen zu werden, fand in Köln, am Dom, das Plattentreffen statt. Bilder aus jener Zeit zeigen, dass das Treffen durchaus mehr zu bieten hatte, als das kümmerliche „Veteranentreffen“, das sich noch heute Jahr für Jahr am Dom abspielt.

Nicht, dass ich dieses Treffen heute nicht mehr gut fände. Ganz im Gegenteil. Es ist der Inbegriff des Konsumverweigerers. Ein Treffen jener, die vielleicht auch einmal nach Leipzig fahren würden, aber lediglich, um es mal gesehen zu haben. Anders als heutzutage, wo in vielen Clubs, meist gezielt, die Subkulturen der Szene, allein schon durch das musikalische Angebot voneinander getrennt werden, treffen hier Anfang und Gegenwart immer noch zusammen – genießen einen schönen Tag am Rheinufer und fahren am Abend mit neuen Bekannten und Erkenntnissen Richtung Heimat.

Darüber hinaus rückte die Szene in den Focus von Politmagazinen und/oder Tageszeitungen, denen keine Story doof genug war, um die Szene in ein schlechtes Licht zu rücken. Beispielsweise berichtete Spiegel TV[1] (RTL) in einer unverantwortlichen Gier des reißerischen Journalismus und vermittelte den Eindruck: Die Gothic-Szene ist eine Szene, in der junge Leute zusammenkommen, die den Teufel anbeten und sich des nächtens auf Friedhöfen herumtreiben. Das ZDF wusste in seinem Bericht Die Grufties „ES“[2] aus den frühen 90er sogar mal zu berichten, dass der Szeneausstieg besonders schwer sei.

Mehr als auffallend auch die Art der Berichterstattung: Es werden Textpassagen von Gottes Tod oder Satans neue Kleider (Das Ich) bemüht – mehr aber auch nicht. Zu was für einer Meinung soll man denn da über die Szene gelangen? Die wenigen Erklärungsversuche von Szenegängern und Bruno Kram (Das Ich) machen es dann auch nicht mehr wett.

Sind wir an dieser Stelle aber auch mal fair und hauen nicht nur auf die Journalisten. Denn selbst der kreativste Journalist wäre nichts ohne diese mediale Opfergabe, sogenannter „Szenegänger“, die sich damals wie heute nur allzu gerne bereit zeigen ihren ganz persönlichen geistigen Dünnschiss zum Szeneweltgeschehen beizutragen.

Und was damals galt, hat heute auch noch Bestand. Obwohl heute, in Zeiten von Cyber, Industrial oder Noise, der einst so beliebte Okkulte Aspekt nicht mehr im Focus von Szenegängern und „Meinungsmachern“ steht, so sind Argumentationen und Aussagen nicht minder dümmer, als damals. So kann man dann aus der Cyberbewegung vernehmen: „Ja, also, ehm.. Die Schweißerbrillen, ja, die haben ihren Ursprung im Industrial“. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, in den 1970/1980er auch nur einen Vertreter der Industrial-Bewegung mit Schweißerbrille auf dem Kopf gesehen zu haben. Bestenfalls geht diese Endwicklung auf die neuseeländische Kinderserie The Tribe aus dem Jahr 1998 (Erstausstrahlung in Deutschland 2001) zurück. In dieser kann man gängige Elemente wie Uniformen, Masken, Urahnen heutiger Cyberloxx (Kunsthaarteile) oder eben auch Schweißerbrillen finden. Von den ganzen bunten Outfits mal ganz zu schweigen.

Interessanter Weise ist in jüngster Zeit festzustellen, dass Medien durchaus auch positives zum Thema beizutragen haben. Der ZDFinfokanal Bericht Schwarz vor Augen[3] oder der Bericht Schwarzes Glück aus der Reihe Menschen Hautnah[4] des WDR sind gute Beispiele dafür, dass es auch anders geht.

Zwischen 1992 und 1995 machte ich noch ein paar Video-Konzert-Aufnahmen für die Band Evils Toy (Später: Toy) und zog mich dann 1995 aus der Szene zurück. Es sollte rund zehn Jahre dauern, bis ich wieder in die Szene zurückfand. Derweil betrachtete ich die Szene vorwiegend durch das redaktionelle Auge der einschlägigen Magazine.

Erst im August 2004, auf dem Merá Luna[5] in Hildesheim, fand ich in das aktive Szeneleben zurück. Kameratechnisch bei Weitem besser ausgerüstet als Anfang der 90er unternahm ich meine ersten „neuen“ Gehversuche in der People- und Konzertfotografie.

Zu meiner Überraschung erwiesen sich die Festivalbesucher als sehr fotofreudig. Damit hatte ich nicht gerechnet, erkannte aber schnell den Narzissmus, der dahintersteckte, und nahm dieses Geben und Nehmen dankbar an. Überhaupt hat sich dieser Narzissmus (welchen ich hier keinesfalls verurteilen möchte) seit den 80er um ein Vielfaches potenziert.

Das „Ich-Gefühl“ ist deutlich größer geworden und auch der Exhibitionismus wird heute viel mehr ausgelebt. Halbnackte Frauen und Männer fand man früher allenfalls in Magazinen bzw. in entsprechenden Clubs, aber mit Sicherheit nicht auf Festivals oder in Diskotheken.

Aber eben jenes neue „Ich-Gefühl“ und die immer preiswerter werdende Digitaltechnik rief eine neue Gruppe innerhalb der Szene auf den Plan: die Fotografen.

Urplötzlich sah man in den Clubs an allen Ecken und Enden einen Blitz zünden. Dieses Überangebot an eifrigen Lichtbildnern brachte seine ganz eigenen Probleme mit sich. Viele Partygäste fühlten sich schnell genervt und die Qualität ließ in vielen Fällen zu wünschen übrig. Im Laufe der Zeit erkannten auch die Clubbesitzer, dass die Fotografen einerseits von Nutzen sind, das unkontrollierte Fotografieren aber langfristig Probleme mit sich brachte. So tat man das einzig Richtige: Man suchte sich die heraus die positiv aufgefallen waren, und setze den Rest an die frische Luft. Eine Entscheidung, die man vor allem zum Schutz des Gastes nur begrüßen kann und voran treiben muss. So kam es, dass ich einer der Hausfotografen in der Bochumer Matrix wurde.

Im Oktober 2004 begann ich, mit der Hilfe meines Freundes und noch heute treuen Wegbegleiters Uwe Scholz, die Anfang des Jahres ins Leben gerufene Website DuesterArt anders zu gestalten. Auf der Startseite prangte bis dato alles, was das Klischee von Szene- und Gothicfotografie hergab – Friedhöfe, Burgen und Mädchen in feinstem Pannesamt. DuesterArt in seiner bisherigen Gestalt wurde eingerissen und quasi neu erfunden. Fotodesign, Web-Design, Party- und Konzertfotografie waren die Schwerpunkte, denen wir uns nun widmeten.

Zunächst fotografierte ich hauptsächlich in meiner damaligen Stammdisco, dem Eisenlager in Oberhausen. Ich lernte dadurch viele interessante Leute kennen und es ergaben sich auch erste spannende Projekte.

Nach dem Eisenlager folgten die Matrix und das Zwischenfall in Bochum. Obwohl durch frühere Konzertbesuche nicht unbekannt, kam ich doch erst recht spät auf die Idee auch mal in die Zeche Carl nach Essen zu fahren. Es blieb aber bei Gastauftritten. Die Matrix und das Zwischenfall in Bochum wurden zu meinen neuen Stammdiskos. Letztere erfährt seit 2010 endlich die Überführung in das 21. Jahrhundert. Die neuen Besitzer des Clubs zeigen sich sehr engagiert und man versucht ein fast totes Kind, eine Legende der Szenegeschichte, wieder ins Leben zurückzuholen. Man unterstellt mir heute gerne mal, dass die Matrix mein zweites Wohnzimmer sei. Eine Unterstellung, die ich nur allzu gerne annehme. Denn in der Tat ist es so, dass ich mindestens 2-3 Mal in der Woche dort anzutreffen bin. Heute fotografiere und berichte ich für das Nebenprojekt DuesterEvents (Blog und Galerie) von den dort stattfindenden Partys, der EO:D, der Code:Karma oder dem Dornentanz, von den zahlreichen Konzerten und trage dort einen eigenen Event, das Gothmodel-, Fotografen- und Künstlertreffen, aus. Selbstverständlich kommen auf diesen Blog die anderen, von mir besuchten, Partys auch nicht zu kurz.

Aus den zunächst losen Bekanntschaften im Rahmen diverser Projekte, die ich in meiner Rolle als Fotograf machte, entstanden über die Zeit auch einige wirklich gute Freundschaften. Leider auch ein Umstand, der mir zu einem zweifelhaften Ruf verhalf und der dazu führte, dass man mich mehr als einmal Dingen bezichtigte, die mit der Realität absolut nichts zu tun haben. Einige „ganz besonders merkbefreite Neider“, wie ich sie an dieser Stelle mal so nennen möchte, sitzen auch heute noch in ihrem Glashaus und werfen mit Steinen.

Eines meiner liebsten Bilder geht auf eine Aussage zurück, die ich damals wie heute einfach nur abscheulich fand/finde. Die Aussage: „Der fickt doch alle seine Viecher!“ Da solcherlei Aussagen mich persönlich in keinerlei Hinsicht treffen, versuchte man es über jene, die mir vertrauen. Denn wer will schon von sich hören, dass er mit seinem Fotografen fickt? Aber dieser Schuss ging letztlich nach hinten los. Die Modelle, mit denen ich damals sowie heute zusammenarbeite, haben verstanden, welch Geistes Kind hinter einer solchen Aussage steckt. Ich war indes dankbar, ob des Glaubens an meine Potenz und war um eine Bildidee reicher. buch_art_fuckyou

Und wenn man nichts zu Neiden hat, dann kann man sich immer noch über das Aussehen, das Outfit, den Tanzstil, die Frisur oder das Make-up lustig machen. Das Spiel „Jeder gegen Jeden“ wird auf biegen und brechen in den Kopfkonsolen abgespielt. Individualität wird zur Religion erklärt und wehe da wird was nachgemacht. Andere bilden spätpubertäre Grüppchen, geben sich absurde Namen wie z.B. Elite, Pussy-Front oder Terrorschlampen und grenzen andere, die nicht dem Codex entsprechen, aus. Teenager, deren bunte Disco-Strampler schon alles sagen und die wir besser mit Schüppe, Eimer und Förmchen bewaffnet in den nächsten Kindergarten schicken sollten – und gut is´.

Und das „Jeder gegen Jeden“ Spielchen lässt sich auch prima ausweiten. Eben alles was nicht einen bestimmten Codex erfüllt, was scheinbar nicht zu passen scheint, kann betroffen sein. Während hier und da noch versucht wird, Fotografen zu instrumentalisieren, wird auf DJs immer wieder gerne hemmungslos „draufgeschlagen“. Besonders wenn es um die wöchentliche Playlist und das damit verbundene Musikangebot geht, scheiden sich Geist und Geister. Einerseits wird auf Teufel komm raus gejammert, der DJ spiele immer dasselbe, aber wenn dann mal neue Musik gespielt wird, muss der DJ Angst haben, dass die Gäste die Tanzfläche oder gleich den Club verlassen. Dass die DJs nichts Neues spielen, stimmt ohnehin nicht, und wenn man sich das Verhalten der Gäste noch einmal vor Augen führt, ist es unterm Strich eher verständlich, dass dies nicht so oft passiert.

Irgendwo habe ich mal den Satz: „Die Szene ist erwachsen geworden“ aufgeschnappt – so ein Blödsinn! Die Szene wird wohl nie erwachsen werden, zumindest nicht was die Szenegänger selbst betrifft. Denn wie in allen anderen Szenen auch, brechen auch in der schwarzen Szene früher oder später nach hinten die älteren Generationen weg und eine junge Generation rückt nach. Die junge Generation ist es dann auch, die ein trügerisches Bild einer „erwachsenen“ Szene zeigt. Dieses Bild zeichnet sich vor allem durch den immer größer werdenden Mainstream innerhalb der Szene ab. Wie alle anderen Branchen auch hat sich die Szene den Gesetzen des Marktes ergeben müssen und sich ihren eigenen nicht zu unterschätzenden Markt geschaffen. Und die Mühlen dieser Maschinerie arbeiten immer schneller und gieren immer mehr nach Profit. Einige wenige Modelabels und Plattfirmen scheinen den Markt bestimmen zu wollen und reißen sich alles unter dem Nagel, was die Szene hergibt. Nicht minder wenige Bands gelangen sogar ins Tagesgeschäft der Mainstream Medien. Da diesen auch nichts mehr einfällt und Casting-Shows auch eher Mäßiges zum Musikgeschäft beizutragen haben, bleibt ihnen auch nichts anders übrig, als sich einem alternativen Markt zuzuwenden. Das dabei der Rotstift der Plattfirmen regiert ist angesichts anschwellender Konten dann auch egal.

Ein weiteres Beispiel findet man in der Cyberbewegung: Lange Zeit von den etablierten Marken der Szene gar nicht wahrgenommen, entdeckt man heute immer mehr Cyberutensilien in deren Shops. Und die nächste Generation schart schon mit den Hufen: Steampunk. In Suchmaschinen wird man Millionfach fündig. Bisweilen noch sehr kostspielig wird dieser Trend aber auch nicht mehr lange auf sich warten lassen und die Szene sowie den dort existierenden Markt überschwemmen. Die Krux an dieser Geschichte ist, dass die Szene, will sie auch die nächsten 10-20 Jahre überleben, diesen Gesetzen des Marktes folgen muss. Die Nachfrage bestimmt eben das Angebot.

Ich habe lange überlegt, was ich hier überhaupt schreiben möchte. Ich habe niedergeschrieben was ich erlebt habe, was mich bewegt und was ich schon immer einmal loswerden wollte. Die zahlreichen Kritikpunkte, Anekdoten und Ausschweifungen würden ausformuliert sicher Bände füllen und so belasse ich es, der Kürze geschuldet, bei diesem kleinen Ausflug in meine Gedanken und Erinnerungen.

Bleibt an Ende die Frage nach dem Fazit: Was hat sich in 20 Jahren getan? Eine ganze Menge hat sich in diesen 20 Jahren getan. Ganz besonders in den Jahren, in denen ich nicht aktiv dabei war. Viele Szenegänger, nicht immer in meinem Alter, sind zwar der Ansicht, dass sich alles verschlechtert hat. Das ist aber nicht wahr. Es ist lediglich eine andere Zeit. Die neuen Generationen haben ein anderes, ein neues, ja vielleicht einfach nur ein der Zeit angepasstes Verständnis von Szene. Nur ganz romantisch verklärte können sich heute ernsthaft die Zeiten von vor 10-15 Jahren zurückwünschen. Und wenn Sie es wirklich tun, dann sind sie nicht besser als einst unsere Eltern. Also jene, die immer sagten: „Mach doch mal den Scheiß aus! Wie siehst Du nur wieder aus? Zieh dich mal vernünftig an!“ Jene in der Zeit hängen Gebliebene. Ich habe nicht vor in der Zeit hängen zu bleiben und so begrüße ich die neue Zeit mit all Ihren Kritikpunkten, ihren Neidern, der Grüppchenbildung, und den ganzen Teenagerproblemen – weil es dazugehört, wie die Luft zum Atmen. Und so Darwin es will, werde ich auch ganz sicher noch in den nächsten Jahren in der Szene verweilen. Nicht weil ich hängengeblieben bin. Nein, weil die Szene es ermöglicht, sich in Ihr zu bewegen und sich auszuleben.

Sie erlaubt es: ICH zu sein.

Mein Dank geht an:

Uwe Scholz, für die letzten 7 Jahren Freundschaft und all den Programmierung. Für das in mich gesetzte Vertrauen und die neue Rollenverteilung als Patenonkel :)
Linda Wisseling, für die viele Zeit und Geduld beim korrigieren des Textes
All meinen Freunden und Modellen, Clubs und Veranstaltern die mir in den letzten Jahren die Treue gehalten haben.

Meine Webseiten:
www.duesterart.de
www.duestermodels.de

www.duesterevents.de


[1] http://www.youtube.com/watch?v=BwG2cjMBJlQ
[2] http://www.youtube.com/watch?v=m7Q6yic1rgA
[3]
http://infokanal.zdf.de/ZDFde/inhalt/24/0,1872,7302616,00.html?dr=1
[4] http://www.youtube.com/watch?v=BETP1NV3APA
[5] Neben dem WGT in Leipzig das bekannteste und größte Festival